Zufall und Wahrscheinlichkeit als Forschungsgebiete und die Bedeutung früher wissenschaftlicher Karriereförderung

Shownotes

Was hat Zufall mit Mathematik zu tun? Was steckt hinter der scheinbaren Unvorhersehbarkeit der Wahrscheinlichkeitsforschung? Was ist ein Frühstudium und wie sieht es mit der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Mathematik aus? Lisa Hartung begeistert sich bereits als Schülerin für das Studium der Mathematik. 2019 wird sie Juniorprofessorin an der JGU und erhält hier im Februar 2020 eine Vollprofessur, so dass sie mit 29 Jahren eine der jüngsten Mathematikprofessorinnen in Deutschland ist. Über ihre Erfahrungen in der Nachwuchsförderung sowie ihre Forschungen zur Stochastik und Wahrscheinlichkeit berichtet Professorin Hartung im Gespräch mit Lawrence Meinig.

Moderator: Lawrence Meinig

Musik: • Clean Logo von Sugar Beats - PremiumBeat.com • Glide - Modern Electric Logo von MVM Productions - PremiumBeat.com • Curiosity Calling von Immersive Music - PremiumBeat.com

Weitere Informationen: Forschungsprofil der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Stochastik der JGU Professorin Lisa Hartung Rhein-Main-Universitäten Beitrag im JGU Magazin

Alle Folgen: Forschungspodcast

Transkript anzeigen

00:00:05: Was hat Zufall mit Mathematik zu tun?

00:00:08: Und was steckt hinter der scheinbaren Unvorhersehbarkeit der Wahrscheinlichkeitsforschung?

00:00:13: Im Gespräch mit Professorin Lisa Hartung über Zufall, Wahrscheinlichkeit und ihren Weg in die Wissenschaft.

00:00:21: Minds of Mainz - Der Gutenberg Talk.

00:00:24: Ein Forschungspodcast der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

00:00:30: Herzlich willkommen zum Forschungspodcast der JGU.

00:00:33: Mein Name ist Lawrence Meinig und ich freue mich sehr, Sie durch das Format zu führen.

00:00:37: In dieser Podcastreihe öffne ich Ihnen das Tor zur Welt der Wissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

00:00:43: Ich nehme Sie mit auf eine Entdeckungsreise zu den unterschiedlichsten Disziplinen und deren wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen.

00:00:50: Gemeinsam lernen wir die Forschenden der Universität kennen.

00:00:54: Wie arbeiten sie und welche Erkenntnisse gewinnen sie?

00:00:58: In dieser Folge spreche ich mit Professorin Lisa Hartung.

00:01:01: Sie forscht zu Stochastik, Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematischer Statistik.

00:01:07: Auf das Gespräch habe ich mich aber nicht nur gefreut, weil sie eine herausragende Forscherin ist, sondern auch wegen ihres besonderen Karrierewegs.

00:01:14: Bereits mit 27 Jahren wurde ihr eine Professur verliehen.

00:01:19: Sie beschäftigen sich tagtäglich mit Zufall und Wahrscheinlichkeit.

00:01:24: Gibt es eine alltägliche Situation,

00:01:27: in der Menschen Ihrer Meinung nach systematisch falsch mit Wahrscheinlichkeiten umgehen?

00:01:33: Ja, also ich glaube ganz oft, wenn man so Zahlen hört oder Prozentzahlen hört, von medizinischen Studien hört,

00:01:40: dass man das dann eben oft schlecht einordnen kann, weil das irgendwie abstrakte Zahlen sind.

00:01:43: Aber es eigentlich sehr wichtig wäre zu verstehen, was es eigentlich bedeutet, dass irgendetwas eine Wirksamkeit von so viel Prozent hat.

00:01:49: Ja, also zum Beispiel, wenn man über Medikamente spricht, dann gibt es ja Wirksamkeiten, dann gibt es Studien,

00:01:55: dann gibt es da Resultate, die dargestellt werden durch statistische Analysen.

00:01:59: Ich denke, es ist eigentlich wichtig, dass man versteht,

00:02:02: wie man solche Dinge zu lesen hat, dass man zum Beispiel versteht, was oder auch bei Nebenwirkungen, was bedeutet das eigentlich, dass eine Nebenwirkung so und so häufig ist?

00:02:10: Wie kann ich mir das vorstellen?

00:02:12: Und dass da aber oft die Relation fehlt, also dass man vielleicht gar nicht so ein Gefühl dafür hat, wie klein ist denn jetzt eigentlich die Zahl, wie groß ist die Zahl?

00:02:23: Gibt es da vielleicht irgendeine Denkhilfe, die dann Menschen helfen könnte, das besser zu verstehen?

00:02:28: Es ist so bisschen schwierig, aber ich finde, es hilft immer, sich das so bisschen in absoluten Zahlen vorzustellen.

00:02:34: Also, wenn man einfach mal sagt, gehen wir mal davon aus, wir haben 1.000 Leute, dann bedeutet das so und bei so und so vielen Leuten ist es ungefähr so und so.

00:02:44: Da kann man sich diese abstrakten Raten, Quoten, statistischen Resultate vielleicht so ein bisschen besser in Zahlen übersetzen, die man dann interpretieren kann.

00:02:54: Jetzt haben Sie es gerade natürlich schon erwähnt,

00:02:57: Statistik entscheidet über medizinische Studien einerseits, aber auch heutzutage über Algorithmen, über politische Prognosen.

00:03:05: Sie hat also einen immensen Einfluss.

00:03:07: Gab es ein Beispiel, bei dem Sie persönlich gemerkt haben, weil das ist ja eines Ihrer Hauptfelder, das hat echt Konsequenzen?

00:03:14: Da muss ich mich mal richtig reinsetzen?

00:03:16: Ich weiß nicht, ich bin damit aufgewachsen.

00:03:19: Also ich komme aus einem Haushalt, meine Eltern sind beide Statistiker.

00:03:23: Ich bin also quasi damit aufgewachsen, dass mir immer erklärt wurde, auch beim Fernsehen gucken und so, was immer wieder alles falsch gesagt wurde.

00:03:31: Deswegen gab es bei mir jetzt nicht so den einen Schlüsselmoment.

00:03:34: Ich fand es nur immer ganz lustig, wenn meine Eltern mal wieder so einen Kommentar gemacht haben.

00:03:38: Haben Sie da noch als Kind schon da gesessen und gemerkt, die anderen Kinder verstehen das hier gar nicht, worum es hier eigentlich gerade geht?

00:03:46: Nee, ich glaube, das war so bisschen vor der Zeit, bevor man wirklich aktiv Nachrichten gehört hat.

00:03:53: Da war das mehr so auf dem Komödienniveau.

00:03:57: Da hat man dann auch nicht so wirklich mit so vielen anderen Leuten drüber geredet.

00:04:01: Da ist die Prägung der Eltern natürlich immens wichtiger.

00:04:04: Viele stellen sich die mathematische Forschung ja auch als eine einsame Arbeit am Schreibtisch vor,

00:04:11: ein Mathematiker oder eine Mathematikerin vor ihrem Blatt Papier.

00:04:15: Wie sieht denn tatsächlich ein typischer Tag in Ihrer Forschung aus?

00:04:19: Also ich meine, der typische Tag ist tatsächlich schon der, dass man in sein Büro fährt, man sich an den Schreibtisch setzt, dann schon vor ein Blatt Papier,

00:04:27: aber tatsächlich inzwischen auch oft einfach vor den Computer.

00:04:30: Und man dann oft schon auch alleine vor sich hinarbeitet, aber man hat eben auch viele Kooperationen mit anderen Wissenschaftlern,

00:04:38: mit denen man sich dann auch mal zusammen stundenlang vor die Tafel stellt, gemeinsam Probleme diskutiert.

00:04:45: Man trifft seine Mitarbeiter, die man ja so bisschen anleitet, in die Forschung auch reinzukommen.

00:04:51: Und dann hat man insgesamt eigentlich schon einen relativ vielfältigen Tagesablauf.

00:04:56: Aber natürlich hat man nicht so dieses Arbeiten im ganz großen Team.

00:05:00: Also wir haben insgesamt relativ kleine Arbeitsgruppen, auf den Projekten ist man mit relativ wenig Autoren unterwegs.

00:05:06: Aber ist es, also insgesamt würde ich sagen, ist es schon eher nicht so sozial.

00:05:11: Aber es ist nicht so, dass man rund um die Uhr vor seinem Blatt Papier sitzt, sondern ich bin eigentlich schon relativ viel im Austausch mit anderen Personen,

00:05:18: entweder mit direkten Kollegen, Kollegen im Inland, also aus anderen Städten, im Ausland.

00:05:25: Und eben, ja, dann ergibt sich das auch.

00:05:29: Man trifft sich ja heutzutage auch nicht nur so wie, also so wie wir jetzt online, trifft man sich ja heutzutage auch.

00:05:35: Man fährt aber auch immer mal wieder auf Veranstaltungen und Konferenzen im Inland oder im Ausland, wo man dann eben auch in den direkten Austausch kommt.

00:05:43: Sie haben ja gerade schon, bevor wir die Aufnahme gestartet haben, mir auch erzählt, dass Ihre Arbeit so spezialisiert ist,

00:05:49: dass Sie sich häufig gar nicht so toll mit Kolleginnen und Kollegen austauschen können.

00:05:54: Aber ich gehe mal jetzt davon aus, dass Sie, wenn sich jemand im selben Spektrum betätigt wie Sie, dann gehen Sie da wahrscheinlich häufig in den Austausch, oder?

00:06:03: Genau, also dann redet man sehr viel und dann redet man auch immer sehr genau über die Mathematik, die man macht, weil man eben dann auch gerne sich mit den Leuten trifft,

00:06:11: die genau das gleiche Interessengebiet haben.

00:06:14: Und dann erklärt man natürlich schon die Details und dann kann es selbst für einen anderen Professor aus der Wahrscheinlichkeitstheorie irgendwie schwierig sein,

00:06:23: wenn ich jetzt zwei Stunden im Detail erkläre, was mein neuestes Resultat ist, kann das eine anspruchsvolle Sache sein, das zu verstehen.

00:06:30: Und umso schwerer wird es natürlich, wenn man dann versucht, es Nicht-Experten zu erklären.

00:06:35: Was ich mich da auch tatsächlich schon häufiger gefragt habe, auch in der Vorbereitung jetzt, mein Eindruck ist, dass das Feld der Mathematik, das heißt die Zahl der Menschen,

00:06:43: die da arbeitet in dieser Form der Forschung, das ist ja gar nicht so groß.

00:06:47: Und haben Sie da vielleicht auch manchmal das Gefühl, eigentlich haben wir ein bisschen wenig Leute und ich kann mit kaum jemandem reden?

00:06:54: Das hat man vielleicht schon, aber ich glaube dadurch, dass das Feld so klein ist, hat man eben auch sehr gute Verknüpfungen ins Ausland.

00:07:00: Man kennt dann einfach quasi auf der Welt alle Leute, die genau an dem arbeiten, woran man arbeitet, was auch seinen Charme hat.

00:07:08: Die Stochastik wird ja auch die Mathematik des Zufalls genannt.

00:07:13: Hat Ihre Arbeit vielleicht auch Ihren Blick auf Risiko, auf Pech oder auf Glück im eigenen Leben verändert?

00:07:19: Treffen Sie Entscheidungen heute anders als früher?

00:07:23: Also ich glaube weniger durch die Arbeit.

00:07:25: Es ist jetzt eher so, dass man einfach dadurch, dass man älter wird, sich die Grundperspektive ändert.

00:07:31: Also ich muss generell sagen, bin ich eher so ein, also bin ich jetzt vielleicht nicht so ein Mensch, der jetzt das volle Risiko sucht, und das entwickelt sich vielleicht mit der Zeit.

00:07:42: Und ich meine jetzt, wenn man dann mal eine Professur hat, dann hat man natürlich eine sehr, sehr sichere Stelle und eine sehr gute Ausgangslage.

00:07:48: Und muss sich da jetzt keine Sorgen mehr machen.

00:07:51: Also ich muss mich nicht darum sorgen, dass ich gekündigt werde.

00:07:54: Ich muss mich nicht darum sorgen, dass ich quasi zu wenig verdiene, um jetzt, weiß ich nicht, meine Miete und mein Essen zu bezahlen.

00:08:02: Ich meine, all diese Sorgen, die andere Leute vielleicht haben, hat man in dieser sehr privilegierten Position als Professor natürlich nicht.

00:08:09: Und ich meine, das ändert natürlich schon, würde ich sagen, mein Blick auf Risiko deutlich stärker, als das jetzt vielleicht mein Studium gemacht hat.

00:08:18: Ich kann vielleicht durch mein Studium einschätzen, was überhaupt Risiko bedeutet.

00:08:24: Ich weiß, ich kann Prozentrechnung betreiben.

00:08:27: Das konnte ich auch vor dem Studium schon, aber das sind ja eher so faktische Dinge.

00:08:32: Sie haben es ja jetzt gerade auch schon so ein bisschen angeschnitten,

00:08:36: Sie sind schon relativ früh in die Forschung eingestiegen, sind schon in ihren 20ern Professorin geworden

00:08:43: und sind damit ja auch in gewisser Weise ein leuchtendes Beispiel für alle Jugendlichen, die sich schon früh für Forschung interessieren.

00:08:51: Glauben Sie, die Förderung, ich nenne es jetzt mal junger Forschung, ist in Deutschland gut aufgestellt?

00:08:59: Ich meine, es ist immer die Frage, was man mit...

00:09:02: was junge Forschung bedeutet.

00:09:04: Also zum Beispiel bin ich auch sehr aktiv, was so schülerbegabten Programme angeht.

00:09:09: Und die zielen auf der einen Seite schon darauf ab, auch Jugendliche für Mathematik zu begeistern und eben wichtige Fähigkeiten zu mathematischen Argumentationsfähigkeiten schon früh auszubauen.

00:09:20: Auf der anderen Seite ist es aber so, dass ja als junge Wissenschaftler und Nachwuchswissenschaftler bezeichnet man eigentlich Personen,

00:09:27: die promovieren oder ein paar Jahre nach der Promotion sind.

00:09:31: Und da würde ich sagen, dass das Promovieren in Deutschland sehr gut ist.

00:09:35: Also da gibt es gute Stellen, da gibt es gute Universitäten, auch breit über Deutschland verteilt.

00:09:40: In der Phase nach der Promotion, ich meine, es ist halt nach wie vor eine etwas schwierige Phase.

00:09:45: Ich meine, es gibt nicht so viele Dauerstellen an Universitäten.

00:09:50: Viele Leute haben immer noch das Gefühl, dass es eine sehr unsichere Phase ist, wo man sehr wenig Planungssicherheit hat,

00:09:57: wo man bereit sein muss umzuziehen, was ja vielleicht auch nicht für jeden, der Mitte 20, Ende 20 ist, der große Traum ist.

00:10:11: Wie Professor Hartung bereits erwähnt hat, bieten viele Hochschulen und Universitäten die Möglichkeit eines Frühstudiums für Schülerinnen und Schüler der Oberstufen an Gymnasien an.

00:10:22: An der Universität Mainz ist ein Frühstudium in allen Fächern möglich und komplett kostenfrei.

00:10:28: Zudem bestehen für besonders leistungsfähige und motivierte Jugendliche bundesweit die Angebote der Deutschen Schülerakademien in ganz unterschiedlichen Disziplinen.

00:10:38: Speziell im Bereich Mathematik,

00:10:40: Naturwissenschaften und Technik gibt es für Schüler*innen das MINT EC, das Nationale Exzellenzschulnetzwerk.

00:10:48: Die 13 deutschen begabten Förderungswerke bieten sowohl finanzielle als auch ideelle Förderung für junge Talente mit starkem Fokus auf Studium an.

00:10:58: Nachwuchstalente werden hier nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch in Akademien, Arbeitsgruppen und durch Zugang zu einem umfassenden akademischen Netzwerk gefördert.

00:11:09: Während des Gymnasiums haben Sie ja schon angefangen zu studieren.

00:11:14: Genau, ich habe selber als Frühstudentin an der Universität, ich glaube, ich habe damit angefangen, als ich so 14 war, habe ich angefangen,

00:11:23: als Frühstudentin Kurse zu besuchen an der Universität Bonn damals.

00:11:26: Und es hat mir riesig viel Spaß gemacht.

00:11:28: Also, die Schulmathematik war ehrlich gesagt ein bisschen langweilig und auch andere Fächer in der Schule, da hatte ich immer das Gefühl,

00:11:35: dass es eben nicht so schnell vorangeht und mir hat das super gut gefallen an der Uni.

00:11:39: Es ist total strukturiert, man hat seine Vorlesungen, man hat seine Übungen.

00:11:43: Jede Woche passiert richtig viel Neues, man muss sich ranhalten, man ist gefordert.

00:11:47: Das hat mir so viel Spaß gemacht, als Schüler das schon zu machen.

00:11:50: Und das ist auch ein Programm, das gibt es inzwischen eigentlich an fast jeder Universität in Deutschland.

00:11:56: Und ich finde das Programm wirklich toll.

00:11:58: Also ich kenne auch viele Leute, die das nur in dem letzten Schuljahr genutzt haben, mal in ein Fach reinzuschnuppern, wenn sie nicht wussten,

00:12:04: was sie nach dem Abi studieren wollten, dann konnte man sich schon mal was angucken.

00:12:07: Das finde ich wirklich eine schöne Sache.

00:12:10: Und ich meine, ich hatte damals das große Glück, dass ich

00:12:13: das gemacht habe über einen längeren Zeitraum, sodass ich mir nach dem Abitur dann einfach alle Kurse anerkennen lassen konnte

00:12:20: und habe dadurch mein Studium halt relativ schnell abgeschlossen.

00:12:24: Wie war das denn so, mit 14 Jahren schon an die Universität zu gehen?

00:12:28: Ich fand's cool.

00:12:30: Also mir hat das Spaß gemacht.

00:12:32: Ich kannte natürlich auch schon ein paar Leute, weil ich an Mathe-Wettbewerben als Schüler teilgenommen habe.

00:12:37: Und dann gab's immer so Veranstaltungen, wo man auch die Schüler höherer Jahrgänge getroffen hat.

00:12:42: Und dadurch kannte ich dann schon so vereinzelt Leute, die in Bonn studiert haben.

00:12:46: Aber ich hatte da ehrlich gesagt gar keine Probleme.

00:12:50: Mir hat das voll Spaß gemacht.

00:12:52: Die Leute waren auch alle nett zu mir.

00:12:54: Mich hat da keiner komisch angeguckt.

00:12:56: Ich gehe mal davon aus, dass auch insbesondere Dozierende sich dann auch total freuen, ein junges Gesicht dann zu haben, das dann bestimmt auch so begeistert mitmacht.

00:13:05: Ja, also ich meine natürlich muss man sich da jetzt, also ich meine so ein Erstsemester-Vorlesung in der Mathematik, da sitzen schon mehrere hundert Personen.

00:13:11: Also da ist man jetzt nicht so auf dem Präsentierteller.

00:13:15: Mehrere 100 Personen, wirklich?

00:13:18: Ja.

00:13:19: Also ich meine, in Bonn ist der Mathe-Studiengang generell sehr groß und dann, und ich meine auch, auch jetzt in Mainz sind das schon große Veranstaltungen.

00:13:27: Also ich meine, da sind schon 200 Leute in den Erstsemesterveranstaltungen angemeldet.

00:13:32: Ich glaube immer zu wissen, dass die großen Vorlesungssäle, die wir haben, die sind dann voll belegt von Medizinvorlesungen, von Wirtschaftswissenschaften und so.

00:13:42: Aber mir war jetzt nicht bewusst, dass...

00:13:43: Da sind es natürlich nochmal deutlich mehr.

00:13:45: Also in Wirtschaft, glaube ich, schon eher 800.

00:13:48: Aber auch in Mathematik, ich meine, es sind halt dann doch relativ viele, die das hören.

00:13:52: Dann kommen noch die Lehramtsstudierenden auch noch dazu.

00:13:54: Die studieren ja auch Mathematik zur Hälfte,

00:13:57: zu einem Drittel, je nachdem, wie man es interpretiert.

00:14:00: Und dann sind es so große.

00:14:01: Und dann gibt es natürlich noch die Personen, die das wiederholen.

00:14:04: Also es ist ja auch bekannt, dass bei der Mathematik, gerade in den ersten Veranstaltungen, sich die Studierenden auch oft schwer tun.

00:14:10: Und dann kommt halt einiges zusammen.

00:14:13: Und wir haben halt diese Vorlesungen mit allen zusammen und dann gibt es aber sogenannte Übungsgruppen.

00:14:18: Also es gibt dann jede Woche Hausaufgaben oder Aufgaben, die halt zum Vorlesungsstoff sind und die werden dann in sogenannten Übungen besprochen.

00:14:25: Und in diesen Übungen ist man dann in Kleingruppen.

00:14:29: Gerade in der fortgeschrittenen Forschung sind Ihre Beweisvorgänge dann aber schon sehr lang wahrscheinlich, oder?

00:14:37: Die sind schon lang und technisch, aber trotzdem stellt man immer quasi den Kern der Argumentation dar.

00:14:46: Also man schreibt, jetzt mache ich das, daraus folgt das, jetzt mache ich das, dann folgt das.

00:14:52: Und so geht man halt vor, aber man schreibt dazwischen nicht eine halbe Seite Posa, in der man über seine Eingabe an dieser Stelle und all die Ideen, wo man das jetzt her hat, philosophiert.

00:15:05: Das ist sehr untypisch.

00:15:08: Das war tatsächlich auch ein Aspekt, der mich im Vorfeld schon interessiert hat,

00:15:12: dass ist in der Mathematik nach meinem Wissen eben dieser große wichtige Punkt, dass Sie, was Sie schreiben, beweisen.

00:15:18: Ja, die Herleitung ist quasi das Kernstück.

00:15:21: Also, wenn ich einen thematischen Artikel schrei...,

00:15:23: Forschungsartikel schreibe, dann ist er eigentlich so aufgebaut, dass man erst mal eine Einführung schreibt, was ist das Thema, womit beschäftigen wir uns,

00:15:30: dann stellt man die Resultate, die man hat, dar.

00:15:34: Also, da steht halt Satz, Satz, Satz, grob gesprochen, und dann erklärt man vielleicht grob noch die Beweisschritte und die Heuristik dahinter,

00:15:45: und dann kommen eigentlich nur noch Beweise und Detailausarbeitung.

00:15:48: Das nimmt dann quasi den Haupttext, den wirklich den ganz großen Batzen ein.

00:15:53: Und wie starten Sie mit so einer Idee?

00:15:56: Also kommen Sie auf eine Idee, sich mit irgendeiner Frage zu beschäftigen, und dann müssen Sie diese Aussage beweisen oder hat das meistens einen anderen Ursprung?

00:16:05: Naja, es gibt schon so Modelle, die bekannt sind, wo halt ein bisschen klar ist, was so offene Fragestellungen sind.

00:16:11: Und dann hat man meistens eher so die Idee, ach, es könnte so sein, dass, wenn man diese Idee ausformuliert,

00:16:17: dass man damit vielleicht die und die Fragestellung in dem und dem Modell beantworten könnte.

00:16:23: Und dann versucht man, das so Stück für Stück sich zu erarbeiten.

00:16:29: Also, man geht auch oft von hinten vor.

00:16:31: Aber es steht selten ganz am Anfang schon das perfekte Theorem da,

00:16:35: sondern man hat so eine grobe Idee, wo es hingeht, und dann, ja, dann fummelt man sich da so durch.

00:16:42: Also, man hat dann über sich so Werke, wo man denkt, jetzt muss ich von A nach B nach C nach D und dann versucht man halt, diese Übergänge irgendwie zu füllen

00:16:51: und dann weiß man am Ende, was man vielleicht eigentlich gezeigt hat.

00:16:54: Dann schreibt man das Theorem auf und dann muss man durch alles, was man sich bis dahin gedacht hat, nochmal durchgehen und das in eine für den Leser sinnvolle Reihenfolge bringen.

00:17:04: Das, was dann rauskommt, ist das, was quasi der Leser sieht.

00:17:07: Das führt aber dazu, dass oft so ein bisschen die heuristische Herangehensweise oder die Herangehensweise, mit der man angefangen hat, wo man so ein bisschen mehr mit den Händen gewedelt hat

00:17:18: und gesagt hat, ja, es sollte ungefähr so und so sein oder so oder das könnte sein, dass das oft in dem aufgeschriebenen Artikel nicht mehr so gut hervorkommt.

00:17:29: So man bemüht sich natürlich in der Heuristik, aber dadurch, dass man ja

00:17:33: alle technischen Feinarbeiten ausgearbeitet hat, ist es normalerweise zum Beispiel auch für unsere Studierenden schwer, aus der mathematischen Arbeit die technisch zwingenden Argumente,

00:17:46: die irgendwo stehen und aber eigentlich nicht so wichtig sind, von denen - hier passiert wirklich was und das ist hier der essentielle Beweisschritt - zu trennen.

00:17:55: Das braucht viel Erfahrung, um so was gut lesen zu können und damit dann auch weiterarbeiten zu können.

00:18:02: Ich hätte zu Ihrer Forschung jetzt noch eine spezielle Frage zu diesem Thema mit Zufall und Wahrscheinlichkeit.

00:18:09: Wenn Sie dem Publikum eine zentrale Idee über Zufall und Wahrscheinlichkeit mitgeben könnten, die man auch nicht mehr vergisst, die für Sie so ein Eye-Opener vielleicht war,

00:18:19: welche wäre das?

00:18:20: Vielleicht, dass Zufall einfach zufällig ist.

00:18:23: Also, dass alles, was man beobachtet, ist eine Realisierung von Zufall.

00:18:29: Aber dahinter steht trotzdem der Zufall.

00:18:33: Das heißt, wenn man das gleiche Experiment noch mal durchführt, dann bekommt man leicht andere Ergebnisse, wenn man da...

00:18:41: Also, zum Beispiel, wenn ich würfle.

00:18:43: Dann ist es ja so, wenn ich jetzt dreimal würfle und dann würfle ich noch dreimal, habe ich unterschiedliche Ergebnisse.

00:18:50: Und das klingt jetzt sehr banal, aber wenn man in einem größeren Sachzusammenhang ist, dann vergisst man das gefühlt manchmal und denkt sich,

00:18:57: ach ja, jetzt hat man das ja 100.000 Mal gemacht, das wird schon immer so klappen.

00:19:01: Weil ich meine, ein sehr bekanntes Beispiel, wo man das ja immer sieht, ist das Wetter.

00:19:04: Wetter ist hochkomplex.

00:19:06: Die Modelle, die es dazu gibt, sind hochkomplizierte, stochastische Dinge.

00:19:09: So was wie die Vorhersage, regnet es morgen, ja oder nein, ja, das kann man kaum beurteilen.

00:19:15: Man guckt dann in den Wetterbericht, aber auch der Wetterbericht ändert sich ja immer.

00:19:18: Weil die Prognosen sind Zufallsmodelle, ändern sich immer wieder.

00:19:23: Und alles, was man quasi beobachtet und vorhersagt, dass das, was an sich noch zufällig ist, was noch nicht passiert ist, das kann sich auch immer wieder ändern.

00:19:32: Also Ihre Lehre von Zufall ist, auch wenn man sich den Zufall genauer angesehen hat über Jahre, bleibt es immer noch Zufall.

00:19:41: Ja, also ich meine, wenn da zum Beispiel steht, Regenwahrscheinlichkeit 80 Prozent, muss ich mir erst mal überlegen, was bedeutet das denn eigentlich?

00:19:48: Es ist wahrscheinlich, dass es regnet.

00:19:51: Genau, aber wenn es dann nicht geregnet hat am nächsten Tag, war die Vorhersage trotzdem nicht wirklich falsch.

00:20:00: Ich glaube, ist ein sehr guter Hinweis gerade für unsere Wetter-Apps, dass 80 Prozent nicht sicher sind.

00:20:05: Ja, es ändert sich ja auch irgendwann.

00:20:07: Also wenn Sie den Regenradar, also ich weiß nicht, ob Sie das kennen, wenn Sie den Regenradar aufmachen, dann denken Sie selbst für die nächste Stunde,

00:20:12: wenn Sie mit dem Fahrrad nach Hause, also wenn ich mit dem Fahrrad nach Hause will, dann regnet es gerade, dann mache ich den Regenradar auf und dann manchmal ärgert man sich.

00:20:19: Man guckt sich das an, man sieht schön, wie die Wolken da sich nach vorne bewegen, man denkt, ach, jetzt hat man es ja abgepasst, aktualisiert ist eine Stunde später,

00:20:27: sieht alles wieder ganz anders aus und man denkt sich ...

00:20:32: ... Mensch, schon wieder.

00:20:35: So ist es halt.

00:20:37: Ja.

00:20:37: Was dahinter steckt ist aber, dass das eigentlich alles, ja, dass das zufällige Phänomene sind, die man eben nicht so vorhersagen kann.

00:20:45: Wir kommen noch zu einem anderen Thema.

00:20:48: Ähnlich wie in vielen anderen Naturwissenschaften ist auch in der Mathematik der Anteil an Professorinnen noch recht niedrig.

00:20:56: Wie stehen Sie dazu?

00:20:58: Also ich meine, ich finde es generell gut, wenn es weibliche Professorinnen gibt, weil ich auch gerade für Studierende das irgendwie wichtig finde,

00:21:05: dass eine gewisse Diversität bei den Professoren abgebildet wird.

00:21:09: Also das betrifft vielleicht nicht nur Frauen und Männer, sondern vielleicht auch gewisse Herkunftsländer.

00:21:13: Da ist es ja vielleicht auch nett, eine Streuung zu haben.

00:21:17: Es ist aber schon so, dass wenn man Studierende hat, die vielleicht

00:21:21: weiblich sind oder die aus dem Ausland kommen, dass es da nett ist, wenn die sich auch irgendwie unter den Professoren widergespiegelt sehen,

00:21:28: oder vielleicht auch einfach den Eindruck haben, ach ja, es gibt auch Professorinnen, es gibt auch Mathematikerinnen, die forschen.

00:21:36: Vielleicht ist das ja auch eine Berufsalternative für mich.

00:21:38: Also einfach so eine Art Vorbildsfunktion und in gewisser Weise auch so ein bisschen, ja, so ein bisschen weg von dem, die Professoren sind, einfach nur alles,

00:21:49: in USA, wo ich Post-Doktorandin war, wurde immer gesagt,

00:21:51: das sind nur alte weiße Männer als Klischee, dass man da eben so bisschen wegkommt, eine gewisse Diversität hat und eine gewisse Diversität schafft, glaube ich, auch ein anderes Arbeitsumfeld.

00:22:03: Und ich finde es eigentlich ganz schön, wenn man ein Arbeitsumfeld hat, was eben auch verschiedene Perspektiven abdeckt,

00:22:09: jetzt auch über die rein fachliche Arbeit hinaus.

00:22:12: Hatten Sie in der Vergangenheit das Gefühl, dass Ihr Geschlecht in irgendeiner Hinsicht eine Rolle in Ihrer Arbeit gespielt hat?

00:22:21: Das jetzt weniger.

00:22:22: Aber ich meine, ich war schon mal auf Veranstaltungen, Tagungen, wo nur ein, zwei, drei Frauen waren und es zehnmal so viele männliche Teilnehmende gab.

00:22:33: Ich meine, natürlich kommt man dann schon in so einen Raum rein und denkt sich, es könnten auch ein paar mehr sein.

00:22:41: Also manchmal hat man dann schon das Gefühl, das ist jetzt nicht so ganz ausgewogen.

00:22:45: Da hat sich natürlich in den letzten Jahren schon auch in Deutschland viel getan und international auch viel getan.

00:22:50: Es wird auch mehr drauf geachtet. Aber trotzdem ist es so, dass, glaube ich, alle meine Kolleginnen auch schon mal auf Veranstaltungen waren,

00:23:01: wo sie gedacht haben, ach, hier sind aber wenig Frauen.

00:23:07: Glauben Sie, das gibt dann auch das Feld der Studierenden wider?

00:23:13: Ich glaube tatsächlich, in der Mathematik sind es im Moment sogar noch unter 30 Prozent Professorinnen.

00:23:19: Es ist auch so, dass es natürlich immer ein bisschen die Frage ist, auf welchen Ebenen zählt man.

00:23:23: Es gibt ja W1-Professur, W2, W3.

00:23:26: W3 ist die volle, also die höchste Professur, sage ich mal.

00:23:31: Und es ist so, dass in vielen Ebenen eben die Prozente nach oben hin dann wieder abfallen.

00:23:38: Absolut.

00:23:44: Professorinnen spielen eine wichtige Rolle für die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft.

00:23:49: Als Expertinnen prägen sie Forschung und Lehre und können für Nachwuchswissenschaftlerinnen wegweisende Vorbilder sein.

00:23:57: Trotzdem sind Frauen auf der höchsten akademischen Karrierestufe weiterhin unterrepräsentiert.

00:24:03: Zwar beginnen heute etwas mehr Frauen als Männer ein Studium, ihr Anteil liegt bei gut 52 Prozent, bei den Professuren zeigt sich jedoch ein anderes Bild.

00:24:14: 2024 waren nur rund 30 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt.

00:24:20: Aber es hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges verändert.

00:24:24: 1997 lag der Anteil von Professorinnen noch bei lediglich 9 Prozent.

00:24:31: Seitdem ist er kontinuierlich gestiegen und hat sich bis heute mehr als verdreifacht.

00:24:38: Obwohl die Zahl an Professuren in den MINT-Fächern,

00:24:41: also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, mit 38 Prozent einen bedeutenden Anteil in Deutschland hat,

00:24:50: fehlt es noch an sichtbaren weiblichen Vorbildern, um Geschlechterstereotype aufzubrechen und mehr Frauen für eine wissenschaftliche Karriere in MINT zu begeistern.

00:25:01: 2024 lag der Anteil von Professorinnen in der Mathematik bei 21,8 Prozent.

00:25:08: Der Trend zeigt also klar nach oben, auch wenn Frauen hier weiterhin deutlich seltener vertreten sind als Männer.

00:25:17: Tauschen Sie sich auch mit Ihren Kolleginnen und Kollegen von den anderen Rhein-Main-Universitäten aus?

00:25:24: Ja, also ich meine, wir haben schon ein gemeinsames Seminar zu meinem Forschungsgebiet mit Frankfurt und Darmstadt und das gibt es auch schon lange.

00:25:33: Also das gibt es, ich bin inzwischen seit über sieben Jahren an der JGU und das gab es schon lange Zeit, bevor ich in Mainz angefangen habe.

00:25:41: So ein Seminar, wo man eben sich dreimal im Semester trifft.

00:25:46: Aber auch darüber hinaus ist es so, dass ich Kollegen in Frankfurt habe, die sehr nah an Dingen arbeiten,

00:25:52: an denen ich arbeite und auch in Darmstadt.

00:25:56: Es ist auch so, dass es Mitarbeiter gibt, die zum Beispiel an der einen Uni dann promovieren und dann für den Postdoc an eine andere Uni wechseln.

00:26:04: Und dann ist man schon in einem sehr regelmäßigen Austausch.

00:26:07: Und das macht aber auch Spaß.

00:26:08: Ich meine, gerade dadurch, dass wir drei Unis sind, lohnt es sich dann eben auch mal, sehr angesehene Sprecher einzuladen, weil man eben eine gewisse Publikumsgröße hat.

00:26:23: Die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Technische Universität Darmstadt,

00:26:31: sie bilden seit 2015 die strategische Allianz der Rhein-Main-Universitäten, RMU.

00:26:39: Mit über 90.000 Studierenden und 1.500 Professuren kooperieren sie eng in Forschung, Studium und Lehre.

00:26:48: Als renommierte Forschungsuniversitäten gestalten sie Frankfurt-Rhein-Main

00:26:52: als integrierte und global sichtbare Wissenschaftsregion.

00:26:58: Was ich finde, was ich immer mehr merke, was cool ist, ist, dass man eben offen ist auch für Anwendungsfächer.

00:27:04: Ich finde es sehr cool, dass ich jetzt inzwischen, wie eben schon angesprochen, mit so vielen Kollegen auch zu tun habe.

00:27:11: Und auch wenn man mit den Personen dann arbeitet, man lernt so viel, weil ich lerne dann auch, was die eben gerade in ihren Fächern forschen.

00:27:19: Und die erklären mir das dann immer so richtig toll, einfach, dass ich verstehe, was die machen.

00:27:25: Das finde ich total toll.

00:27:27: Also, da lerne ich so viel aus verschiedenen Bereichen der Universität, was ich jetzt selber, wenn ich nur in meiner Blase geblieben wäre, nicht gelernt hätte.

00:27:36: Das finde ich, das ist so eine Sache, glaube ich, die man in der Mathematik oft unterschätzt, weil es eben schon diesen Standard gibt.

00:27:45: Man sitzt da allein in seinem Büro und macht halt seine Sachen vor sich hin.

00:27:48: Aber, dass man eben auch aus so einer Kooperation heraus tolle Dinge machen kann,

00:27:54: die weniger mathematische Beweise haben oder mathematische Argumentationen haben, aber die mega interessant und vielseitig sind

00:28:03: und von denen ich vielleicht selber früher auch nicht gedacht hätte, dass ich sie mal mache.

00:28:08: Ich habe noch eine letzte Frage, eine Abschlussfrage.

00:28:13: Was begeistert Sie so sehr an der Mathematik?

00:28:16: Ich glaube, mich begeistert sehr dieses, irgendwo dieses Abstrakte.

00:28:21: Also auf der einen Seite, also früher hat mich total dieses Abstrakte geflasht.

00:28:26: Es hat mir total Spaß gemacht.

00:28:27: Man musste nichts anwenden, man musste nichts messen.

00:28:30: Man konnte einfach in seinem Kopf, in der Theorie das irgendwie alles aufbauen.

00:28:35: Es hat Spaß gemacht, es kam eine schöne Theorie raus.

00:28:38: Man konnte Sachen herleiten, die einem Spaß gemacht haben, und ich habe so dieses Gefühl,

00:28:44: das ist so richtig schön,

00:28:45: man kann sich in seinem Kopf da so ein bisschen vergehen,

00:28:49: man kann da so ganz drin aufgehen.

00:28:51: Es hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht.

00:28:52: Und es macht mir auch immer noch extrem viel Spaß.

00:28:56: Ich muss aber sagen, in den letzten Jahren kann ich auch sehr die Interaktion mit meinen Kollegen schätzen.

00:29:01: Also ich rede auch mit Kollegen aus anderen Fächern und ich finde es super spannend, was Kollegen in der Biologie, in der Physik, in der Meteorologie,

00:29:11: was die alles für stochastische Modellierungsfragen haben, die dann wieder Anknüpfungspunkte haben an Dinge, mit denen ich mich auskenne.

00:29:20: Und das finde ich so als zweiten Aspekt in den letzten Jahren einfach richtig toll, dass man eben auch sieht, dass Stochastik eben auch Teile hat, die doch anwendungsorientiert sind,

00:29:32: dass es schon da wirklich spannende Sachen gibt, dass meine Kollegen auch wirklich coole Sachen machen.

00:29:37: Wenn man sieht, was die alles messen können unter dem Mikroskop, dann ist das schon auch geil.

00:29:43: Und das finde ich aber sehr schön, dass ich davon in den letzten Jahren immer mehr mitbekommen habe.

00:29:47: Und gerade auch an der JGU dadurch, dass wir eine Campus-Uni, glaube ich, sind, der Fachbereich, also das Fach Mathematik sehr klein ist,

00:29:56: bin ich da sehr gut einfach in Kontakt mit meinen Kollegen gekommen und es macht mir total viel Spaß.

00:30:02: Deswegen ist es inzwischen so bisschen zweigeteilt.

00:30:05: Mich begeistert das eine sehr und ich bin aber inzwischen froh, dass es auch das andere gibt, und ich finde, die halten sich gut die Waage.

00:30:11: Ein schönes Schlusswort.

00:30:12: Vielen Dank, Professorin Hartung.

00:30:14: Ja, bitte schön.

00:30:17: Das war mein Gespräch mit Professorin Lisa Hartung.

00:30:20: Eine wichtige fachliche Lehre, die ich aus unserem Gespräch behalten werde, ist, dass Wahrscheinlichkeiten, insbesondere beim Wetter, trotz hochkomplizierter Voraussagen

00:30:30: Wahrscheinlichkeiten bleiben und keine absolute Sicherheit vermitteln können.

00:30:34: Professorin Hartung ist für mich außerdem ein leuchtendes Beispiel dafür, wie harte Arbeit und großes Interesse am Fach bereits in jungen Jahren zu einer Professur führen können.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.